Schilksee-Archiv Pieper-Wöhlkpräsentiert


ehemaliges Wiker Bauernhaus (stand gegenüber der heutigen Sparkasse),
1904 abgebrochen und als Freilichtmuseum auf der Krusenkoppel
wieder aufgebaut, im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört  (Foto: Heinz Kühn)

Geschichte der Wik


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Kleine Geschichte der Wik

von Hannelore Pieper-Wöhlk und Dr. Dieter Wöhlk (Copyright)

Nach alten Funden haben schon in der mittleren Steinzeit  hier Menschen gesiedelt, doch urkundlich wird die Wik zuerst am 13.4.1286 als "campus kotelwik" genannt, was auf wendische wie auch jütische Ursprünge hinweist. Der Name Wik allein taucht 1317  in einer Urkunde auf, in der  es um frühe enge Bande zur Stadt Kiel geht: Graf Johann II von Holstein-Schauenburg schenkte das kleine Bauerndorf  zusammen mit seinen weiten Feldern und Wiesen dem Heiligengeisthospital. Dies blieb so bis 1572, dem Gründungsjahr des Gutes Kronshagen, zu dem die Wik als Leibeigenendorf bis zum Konkurs des Gutes im Jahre 1738 gehören sollte.
Der 30jährige Krieg, in dessen Folge Tilly, der Feldherr des deutschen Kaisers, mit seinen wilden Horden auch durch die Wik zog, war nur eine von mehreren Heimsuchungen in den Jahrhunderten. Nachdem der spätere Zar Peter der III.  eine Zeit lang Besitzer der Wik gewesen war, wurde 1768  die Leibeigenschaft in der Wik aufgehoben, die Bauern wieder frei. Das Ende des 18. Jahrhunderts brachte  einen bedeutenden Aufschwung für das kleine Dorf: Bau des Schleswig-Holsteinischen Kanals (1777 bis 1784), Bau der ersten Wiker Schule (1763) und neue Siedlungsstellen auf der Steenbeker Hochfläche (Steenbek blieb bis 1994 Teil der Wik). 1803 waren schon 319 Wiker Einwohner zu vermelden. Der Krieg um Schleswig-Holsteins Freiheit begann 1864 mit Schüssen in der Wik  und endete gegen den Willen der Mehrheit des Volkes mit der preußischen Annexion der Herzogtümer.
Doch nur kurz war die Wik preußische Landgemeinde, als sie zur Zeit des Baus des neuen Kanals mit rund 550 ha und 1300 inwohnern 1893 nach Kiel eingemeindet wurde. Reichsbekannt wurde der damals nördlichste Stadtteil um die Jahrhundertwende durch den „Wiker Hafenprozeß“: trotz jahrhundertealter verbriefter Privilegien verlor die Stadt Kiel die ihr zustehenden Rechte an den Wasserflächen der Förde an das Reich, ein bis heute wirkender obrigkeitsstaatlicher Willkürakt.
Um 1900  und in den 30er Jahren wurde das alte Dorf Wik mit seinen schönen Bauernhäusern, wie ein Freilichtmuseum  am Ende des heutigen Hindenburgufers gelegen, zerstört: Katen und Scheunen, in Reet und Fachwerk ausgeführt, wichen protzigen Nazikasernen. Und auch die Zerstörungen des 2. Weltkriegs sind nicht das Ende umfangreicher Zerstörung alter Struktruen und Bausubstanz im Stadtteil. Bis in unsere Jahre erfährt die Wik weitere schmerzliche Eingriffe: Nach dem Verlust des Straßenbahndepots im Jahre 1968 und dem kurzsichtigen Abschaffen der Straßenbahn im Mai 1985 beginnt  ein wenig sensibler und endlos sich hinziehender Umbau der unteren Holtenauer Straße, der ihren alten Charakter zerstört und das Auto endgültig zum beherrschen Element des Lebens hier zu machen scheint.

Literatur:

Otto Clausen, Geschichte der Wik und ihrer Bewohner, Kiel 1960  (veraltet);
Wiker Geschichten, Kiel (1993);
Die Wik  Mein Stadtteil - mein Zuhause, Kiel   (1998)


Copyright Pieper-Wöhlk 10/2003
 


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