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Nein!Ja! - Jein! Auf jeden Fall aber ohne Regionalgeschichte! |
| Wir haben über vieles Geschichte geschrieben. Nun ist - mal wieder - der Kieler Anzeiger dran! |
Vorbemerkung: Immer wieder werden wir gefragt: "Gibt es den Kieler Anzeiger noch?" sowie "Schreibt Ihr noch für den Kieler Anzeiger?"
Hier die Antworten: Es gibt
den guten alten Kieler Anzeiger nicht mehr. Es gibt noch den Namen, ihn
trägt ein neues Blatt, aber: Wir schreiben nicht für dieses
neue Blatt!
Das Logo des Kieler Anzeigers bis 2002, in leicht veränderter
Form bis Anfang 2004
[Artikel
Schleswig-Holsteinische Geschichte Folge 6]
[Artikel
Schleswig-Holsteinische Geschichte Folge 7] [Das
Thaulow-Museum in Kiel 1878 bis 1945]
Vom Wiker Werbeblatt zum
Kieler Anzeiger
Erinnerungen eines ehemaligen
Wikers - Aktualisierung Mai 2004
Dieser Artikel erschien in Teilen schon 1999 im Kieler Anzeiger.
von Dr. Dieter Wöhlk
1950: Das erste Wiker Werbeblatt
Ich glaube, bevor ich als kleiner Steppke
die Kieler Nachrichten - bei uns hieß sie immer noch „Kieler Zeitung“
- und die Volkszeitung (später: VZ - Kieler Morgenzeitung bis 1976)
kennen lernte, war mir ein Blättchen schon ein Begriff, das regelmäßig
kostenlos ins Haus flatterte: das Wiker Werbeblatt. Es war selbstverständlicher
Bestandteil im Haushalt, und mir schien es damals, als hätte es dies
Blatt wohl schon immer gegeben. Dabei war es jünger als ich: die erste
Ausgabe erschien Anfang Januar 1950. Es war ein bescheidenes Ding, mehr
Faltblatt als Zeitung, und bestand nur aus Werbung. Im Format DIN A, zu
DIN A 5 einmal gefaltet, pries es alles an, was in der Wik wichtig war:
Gaststätten und Geschäfte, Wohnungsgesuche und Tauschangebote.
Und natürlich pries es sich selbst an. Die Anzeigenpreise waren für
heutige Begriffe lächerlich: Eine einspaltige Anzeige kostete 1 DM,
die teuerste war für 16 DM zuhaben. Doch was konnte man damals
schon für 10 Pfennig („1 Groschen“) alles kaufen. Gerne
wurden auch Familienanzeigen bestellt, denn man wußte: „Das Wiker
Werbeblatt lesen alle in der Wik !“. Zum Schluß wanderten die Blätter
zum Zwecke des Anzündens gemeinsam mit KN und VZ in die Öfen,
von denen drei in unserer Wohnung für angenehmes, aber wechselhaftes
Klima sorgten: im Winter morgens war es saukalt, abends mußte man
häufig auch im tiefsten Winter lüften, um die Temperatur abzusenken.
Blaue Tonnen für Altpapier gab es noch nicht, und kein Chronist in
seiner Sammelwut hob ausgerechnet das schlichte Werbeblatt - ohne Fotos
und ohne Grafik, aber in Buchdruck - für spätere Generationen
auf.

Ein neuer Name: Kieler Anzeiger - Wik
und Holtenau
Der Schöpfer dieses bürgerfreundlichen
journalistischen Produktes war ein Herr Wittig, dessen Druckerei sich in
der Knorrstraße befand. Wenn meine Familie ins alte Kasernengelände
marschierte, um dort im ehemaligen Marine-Wannenbad den Dreck der Woche
abzuseifen und abzuduschen, kamen wir an Wittigs Druckerei vorbei. Herr
Wittig schaffte mit seinem Werbeblatt - zum Schluß hieß es
nach meiner Erinnerung Wiker Anzeiger! - nicht den Schritt in die moderne
Zeit. Das Blatt war 1968 nach fast 2 Jahrzehnten am Ende und Herr Wittig
selbst überlebte dies nur kurz. Neuer Besitzer wurde Jan Künzel,
der nach kurzer Zeit 2 verschiedene Ausgaben produzierte: eine für
die Wik, eine für Holtenau. Damit ergab sich die Notwendigkeit einer
erneuten Namensänderung: aus Wiker Anzeiger wurde Kieler Anzeiger.
Die Wiker Apotheke in den 1950er Jahren - 5 Minuten zu Fuß nach
links und man war beim Wiker Werbeblatt
15 Jahre dauerte die zweite Lebensphase des ehemaligen Wiker Werbeblattes, die letzte in der Wik. 1993 schloß die Druckerei Künzel ihre Pforten im Haus an der Ecke Knorrstraße und Holtenauer Straße. Damit verschwand auch ein Stück Wik wie zuvor schon das Straßenbahn-Depot Hohenrade, die Straßenbahn selbst, der Bus-Bahnhof Auberg und so manches kleine oder große Geschäft.
Erweiterung des Verteilungsgebietes
Neuer Besitzer wurde Knut Saxen, dessen
Druckerei in der Gutenbergstraße schräg gegenüber der Hauptfeuerwache
am Westring liegt. Der neue Standort spielte sicher eine Rolle bei der
Erweiterung des Verteilungsgebietes vor allem Richtung Süden.
Auch die äußere Form hatte schon nach einiger Zeit wenig mit
dem Blatt der 50er Jahre zu tun. Zwar war es immer noch ein Faltblatt,
doch nunmehr 1 Blatt DIN A 3 auf DIN A 4 gefaltet und daher immer noch
mit mageren 4 Seiten. Doch es kamen die ersten verheißungsvollen
redaktionellen Ansätze. Außerdem kam Farbe ins Blatt, vor allem
aber hatte sich - unbemerkt von den meisten Lesern - die Drucktechnik fundamental
geändert. Herr Wittig hätte sich wohl kaum noch im Entstehungsprozeß
seine ehemaligen Kindes zurechtgefunden. Doch schon nach 2 Jahren wechselte
der Kieler Anzeiger erneut seinen Besitzer. Gedruckt wurde zwar weiter
bei der Firma Saxen, doch mit der Gestaltung und der Wirtschaftlichen Seite
hatte man nichts mehr zu tun.
Der neue Mann war Andreas Freitag, er übernahm den Anzeiger für den symbolischen (?) Preis von 1 DM (ob er sich auch eine Quittung hat geben lassen???). Die Titelgeschichte, in der der Besitzerwechsel erläutert wurde, ließ Bedeutendes erwarten, was die Zukunft des Blattes betraf. Doch keine 2 Jahre später ging es offensichtlich eher ab- als aufwärts. Eine Beraterin wurde engagiert, sie trieb Reformen voran, sanierte hier, erweiterte dort und stieg schließlich offiziell ein: Claudia Böker, die den Kieler Anzeiger schließlich kaufte. „Leider nicht für eine Mark!“ verriet sie mir. So zog der Kieler Anzeiger nach Schilksee auf die Wurth, von wo viele Jahre in einer Auflage von 35000 Stück eine stattliche Zahl an Stadtteilen und Umlandgemeinden bedient werden. Hier stiegen 1997 Hannelore Pieper-Wöhlk und ich in die redaktionelle Arbeit des erfolgreichen Anzeigenblattes ein. Fast in jedem Heft - also alle 14 Tage - erschien ein Artikel über regionalhistorische Themen. Es begann mit der Geschichte der Wik, führte zum Sonderheft 1998 (bis auf einzelne Exemplare vergriffen) und endete 2004 mit einer unvollendeten Geschichte Schleswig-Holsteins.
Und die alten Werbeblätter? Ein Exemplar der 2. Nummer von 1950 (Seite 1, Seite 2) konnte aufgetrieben und als Kopie in die Redaktion gehängt werden. Das alte Archiv von Herrn Wittig ist leider verschollen. Vor Jahren habe ich beim Abreißen alter Tapeten in der Wik noch Reste vom Wiker Werbeblatt gefunden. Das war damals noch üblich: unter die Tapete klebte man Zeitungen, doch woher sollte ich damals wissen, daß der Wiker Junge aus der Zeit des Werbeblattes von 1950 einmal eben über genau das Blatt und seine Erinnerungen daran würde einen Artikel im Internet schreiben müssen. Jedenfalls wanderte alles in den Abfallcontainer. Aber vielleicht versuchen wir noch einen letzten Aufruf! Wer hat noch alte Anzeiger oder (besser!) Wiker Werbeblätter - Zustand (fast) egal! Dann könnte die Chronik des Nord-Kieler Traditionsblattes, das den Leser nichts kostet und trotzdem viel Interessantes zum Lesen bietet, weiter geschrieben werden. Wär´ ja schön!
2001 - die Kosten stiegen und die Anzeigenkunden wurden sparsamer! Claudia Böker verkaufte ihr Haus in Schilksee und zog mitsamt Kieler Anzeiger in Räume in Surendorf am Triangel. Doch dies war nur eine Station für kurze Zeit. Die wirtschaftlichen Verhältnisse wurden nicht besser, so daß die Verlegerin des Kieler Anzeigers sich nach einem kompetenten und kapitalkräftigen Partner umsah. Sie fand ihn Ende 2002 in dem Verleger Rüdiger Deparade aus Soest/Westfalen, der 51 % der Anteile an dem Blatt übernahm. Unter ihm wandelte sich das Layout fundamental: Glanzpapier und perfekter Druck. Doch gleichzeitig verschwanden wichtige Elemente des Kieler Anzeigers: die Titel wurden nichtssagend, dem Blatt fehlten regionale Identität und aktuelle Bezüge zum Leben der Menschen in den Stadtteilen und Umlandgemeinden. Viele verwechselten den Kieler Anzeiger nunmehr mit den vielen bunten und nichtssagenden Werbeprospekten. Doch die regionalhistorischen Artikel erfreuten sich weiter großer Beliebtheit. Schon Dezember 2003 neigte sich die Ära Deparade für den Kieler Anzeiger dem Ende zu. Anfang des Jahres 2004 wurden die Rechte nur am Namen (nicht am Logo usw.) an eine Druckerei bei Rendsburg verkauft. Ein Kieler Anzeiger erscheint seitdem weiter, doch "vom alten Charme des ursprünglichen Blattes ist nichts geblieben" (Stellungnahme einer Geschäftsfrau aus dem Kiel Norden). Vor allem aber sind "die Beiträge teilweise wenig sorgfältig recherchiert", bemängelte ein Leser: der Fackensteiner Strand wurde um viele Kilometer weit nach Schilksee bis zum Olympiahafen heran verlängert. dabei befindet sich die Stadtteilgrenze zwischen pries und Friedrichsort etwa dort, wo das Südende des Hundestrandes verläuft (siehe Karte!).
Wie geht´s weiter mit den Regionalhistorischen Artikeln aus dem Schilksee Archiv Pieper-Wöhlk?
1. Wer die sechste Folge der Geschichte
Schleswig-Holsteins ausgedruckt braucht, kann sie sich per e-mail gegen
Unkostenbeitrag
von 2 Euro schicken oder mailen lassen.
2. Die Artikel von 1997 bis 2003 sollen
als Buch herausgebracht werden, aber das ist Zukunftsmusik.
3. Regionalhistorie gibt es in Zukunft
verstärkt im Internet unter http://www.schilksee-kiel.de
Anfragen bitte per e-mail