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Museum auf wackeligem Boden (Kieler
Nachrichten 19.03.03) Die beiden Betreuer des Maschinenmuseums auf dem Stadtwerkegelände in der Wik wollen Dampf machen. Doch derzeit blicken sie besorgt auf die Bodensanierung der Stadtwerke unmittelbar neben der abgelegenen Museumsanlage. Um die Ausstellung mit zum Teil betriebsbereiten Motoren weiter betreiben zu können, fordern die ehrenamtlichen Museumsväter stärkere Unterstützung von der Stadt Kiel. Die Sonne wärmt die roten Ziegel des ehemaligen Wiker Gaswerkes, von den Fenstern des Kompressorenhauses und des Lokschuppens aus den 20er Jahren blättert die weiße Farbe. In der sonnigen Idylle schwebt der Geruch von Kraftstoff und Öl, die Schiffsmotoren in den Hallen vermitteln Sicherheit und Ruhe, die Ausstrahlung gusseiserner Zwölf Zylinder eben. Doch die Initiatoren des Maschinenmuseums sind unruhig, sie fürchten, zwischen Kanalschleusen und Herthastraße auf unsicherem Terrain zu stehen. Denn neben dem unmittelbar an das Kompressorenhaus grenzende Uhrenhaus sanieren die Stadtwerke belasteten Boden. "Das Kompressorenhaus darf nicht beschädigt werden", fordert Peter Horter, der mit Frank Stobbe das Museum seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich betreut. Es birgt schwarz, grau und marinegrün lackierte Motoren, mannsgroße Prachtdiesel mit gelb lackierten Absperrventilen, aber auch etwa ein klappbares Motorrad aus den 70ern. Im Lokschuppen steht das einzige betriebsbereite Lokomobil Schleswig-Holsteins - die beiden Männer in den Overalls mit Namensschildern sind stolz. Jenseits des Zaunes, der das Museumsareal vom übrigen Stadtwerkegelände trennt, ist die Erde aufgewühlt: Bodensanierung. Zwar sei bisher nicht geplant, auch die Erde unter den Museumsgebäuden abzufahren, hofft Horter, "wenn das Gebäude wegbräche, wäre dies das Aus für das Technikmuseum". Definitives über Umfang und Lage der Altlasten -Kohlenwasserstoffe aus dem früheren Kokereibetrieb - werde man erst in etwa drei Monaten wissen, erklärt Stadtwerke-Sprecher Wolfgang Podolske. "Aber wir gehen davon aus, dass die Museumsgebäude nicht betroffen sind, und wir wollen die Liegenschaften wie bisher zur Verfügung stellen." Für Horter und Stobbe wird die Zitterpartie noch andauern. "Wir brauchen eine Perspektive", sagt Horter, aber damit meint der Studiendirektor nicht nur das Thema Boden unter den Füßen: "Wir dringen darauf, dass die Stadt uns wie versprochen unterstützt", erklärt er. Bereits 2001 sicherte die Ratsversammlung dem Museum Unterstützung zu, das private Projekt zum Thema "Energietechnik und Energieversorgung" ist in den Rahmenplan Wik aufgenommen worden und Bestandteil des Kieler Kultursommers. Das Kompressorenhaus berge Werte von, so Horter, "einer halben Million Euro". Der Wert des 800-PS-Schiffsmotors etwa oder des Notstromdiesels aus den 30er Jahren lassen sich kaum schätzen. "Die Gebäude hier sind ideal für ein Technikmuseum", sagt Horter, "auch als Keimzelle für ein größeres Museum." Die ambitionierten Schrauber ("Wir verbringen fast jedes Wochenende und unsere Urlaube hier") sehen die Chance für ein Industriemuseum - mit ausladender Armbewegung sagt Horter: "Platz ist hier genug". Er denkt daran, eine Stiftung für das Museum ins Leben zu rufen. Man würde das Museum gerne beim Kulturamt angesiedelt sehen, "so wie das Schifffahrtsmuseum". Diese Perspektive sieht Kulturdezernent Heinz Rethage zwar nicht zwingend, aber mit einer Spezialkonstruktion oder dem Gedanken an eine Stiftung könnte sich Rethage, erklärter Freund des Museums ("Diese Einrichtung muss erhalten bleiben"), schon anfreunden. Auch "die Zuwegung ist ein Problem", erklärt Horter. Und sollten die Stadtwerke das Grundstück mit Uhrenhaus, Kompressorenhalle und Lokschuppen gar verkaufen wollen, brauche man eine Bestandsgarantie. Und Hilfe bei der Installation von Besuchertoiletten, der Pflege der Grünanlage, dem Erhalt der historischen Bauten, Unterstützung bei Information und Dokumentation - das Angebot von Eigenleistungen bleibe bestehen, aber der Tag hat eben nur 24 Stunden - "auch wenn man wohl ein bisschen besessen von der Museumsidee sein muss", sagt Horter. |