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Bernhard Schwichtenberg, Kiel (Künstler, Design-Prof. a.d. Muthesius-Hochschule, Vors. Kunstbeirat Kiel, Mitglied im Kultursenat)

siehe auch:

Offener Brief, 11.8.1998

An die Kieler Stadtpräsidentin und den Kieler Oberbürgermeister sowie an alle, denen die Kunst in Kiel am Herzen liegt.

Liebe Stadtpräsidentin Cathy Kietzer,
lieber Oberbürgermeister Norbert Gansel,

hiermit möchte ich Sie und zugleich die Vielen mit Ihnen und mir Verbündeten in Sachen "kultureller Fortschritt" sehr herzlich bitten, den folgenden Aufruf zu verbreiten und in seinem Sinne tätig zu werden:

Aufruf gegen die kulturelle  V e r d o r f u n g  Kiels

Danach gilt es zunächst, eine Fortsetzung dieser Negativ-Liste zu verhindern:

  • Thaulow-Museum – verkauft
  • Rheinsbergs Museum Sophienhof (im alten Sophienhof) – abgerissen
  • Museum für Industrie- und Alltagskultur, nebst Ergebnissen des Architekten-Wettbewerbs und 16 Millionen vom Land Schleswig-Holstein - nicht realisiert
  • Schwentineschule demnächst – abgerissen
  • Gemäldesammlung Pommernstiftung demnächst - nach Mecklenburg-Vorpommern verlagert

Denn Kiel muß endlich eine kulturelle Wende schaffen.

Mit dem neuen Schauspielhaus könnte der Anfang gemacht sein; mit der Erhaltung der Kieler Stadtgalerie im Sophienhof und einer Verbesserung der Zugangsmöglichkeiten wird der beginnende Trend zu einem anderen, aber für ein Gemeinwesen lebensnotwendigen, kulturellen Bewußtsein untermauert.

Auch die personelle Situation im Rathaus, mit neuen EntscheidungsträgerInnen und neuen Ideen ist günstig. Der neu gewählten Stadtpräsidentin und dem engagierten Oberbürgermeister - beide getragen von einer feinen Mehrheit - müßte ein solcher kultureller Neubeginn gut ins Konzept passen, denn die Weltstadt Kiel braucht Wachstum und Fortschritt. Und für das erfolgreiche Wirtschaften einer Metropole ist heute eine Corporate Identity auf der Höhe der Zeit, also ein alle Maßnahmen umschließendes und von allen Kräften getragenes, erlebbares "Bild" der Stadt, unumgänglich.

Ein dichtes Feld von vernetzten Kultureinrichtungen hoher Qualität ist elementar wichtiges Zeichen für eine solche Stadtphilosophie – und im übrigen wichtiges Signal für die Lebensqualität - und entscheidendes Merkmal für den Standort.

Ein für Kiel unverzichtbares Element in diesem noch längst nicht voll ausgebauten kulturellen Netzwerk ist die Stadtgalerie im Sophienhof. In über zehn Jahren hat sich dieses Haus nicht nur bei Insidern einen Namen gemacht. Dem Kieler Kulturpreisträger und renommierten Architekten Prof. Dietheln Hoffmann ist es seinerzeit gelungen, mitten in einem Einkaufszentrum ein Museum zu bauen, das heute in einem Atemzug genannt wird mit den großen Häusern in Deutschland. Die Auszeichnung mit dem BDA-Preis verdeutlicht dies eindrucksvoll.

Hinzu kommt, daß sich im Sophienhof täglich bis zu 17.000 Menschen aufhalten; auf dem Wege der Kunst zur Kommunikation ist dies ein Vorteil, der durch nichts zu ersetzen ist - und schon garnicht in einem Verwaltungsgebäude. Allerdings müßte die vom Center-Management angebotene Rolltreppe endlich realisiert werden. Weitere unersetzbare Vorteile liegen in der unmittelbaren Verbindung zu Hauptbahnhof und ZOB und in der Nähe zum Hörn-Projekt.


opaion – büro für kunstgeschichte und neue medien