Das Thaulow-Museum in Kiel 1878 bis 1945

Virtuelle Rekonstruktion eines Kieler Museum
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 „Die Landeshauptstadt ohne Landesmuseum“

von Hannelore Pieper-Wöhlk und Dr. Dieter Wöhlk

Auch wenn sich die Museumsszene in Kiel und der engsten Umgebung durchaus sehen lassen kann, so sucht doch mancher Besucher in der Hauptstadt unseres Landes vergebens ein der Bedeutung der Stadt angemessenes Landesmuseum, das u.a. auch die kulturelle Geschichte Schleswig-Holsteins präsentiert. Nicht nur dieser Mangel, sondern auch wiederholte Fragen unserer Leser nach dem alten Kieler Thaulow-Museum, das immer mal wieder auf Ansichtskarten der Zeit vor 1939 zu sehen ist, waren Anlaß, diesem verschwundenen Museum einen Artikel im Kieler Anzeiger zu widmen.

Geheimrat Dr. Gustav Ferdinand Thaulow, geboren 1817 und gestorben 1883 in Kiel, war noch zu dänischen Zeiten des Landes Professor für Philologie und Pädagogik an der Universität Kiel, die damals in der Kattenstraße nahe dem Kieler Schloß ihre Heimat hatte. Er gilt noch heute zusammen mit seinem Kollegen, dem Altphilologen und Archäologen sowie Begründer der bedeutenden Kieler Antikensammlung, Prof. Dr. Peter Wilhelm Forchhammer, als einer der wichtigsten wissenschaftlichen Wegbereiter des Bewußtseins für die Bedeutung der Kunst in den Herzogtümern Schleswig und Holstein zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Die beiden Forscher profitierten allerdings auch von der noch relativ großzügigen Förderung von Kunst und Wissenschaft durch den dänischen König in seiner Rolle als gleichzeitiger Herzog Schleswigs und Holsteins. Thaulow setzte sich besonders  für   philosophische Kunstgeschichte und Kunstverständnis im Rahmen der gymnasialen Bildung ein und war Begründer des „Kieler Kunstmuseums“. Bedeutende Vorlesungen Thaulows sind noch heute ein Begriff. Z.B. hielt er 1860  ein Kolleg über »Monumente der christlichen Kunst«, im Wintersemester 1864/65 kombinierte er seine traditionelle Ästhetik-Vorlesung  mit einem »Abriß der Geschichte der Kunst« und im Wintersemester 1872/73 konnten seine Studenten Wichtiges  »Über die vorhandenen Kunstwerke in Athen« lernen.

Seit 1850 sammelte Thaulow hochkarätige einheimische  Bildwerke des 15. bis 18. Jahrhunderts, insbesondere Holzskulpturen bedeutender  Schnitzkünstler aus den Herzogtümern, alte Meisterwerke, die er oft genug  lieblos und unsachgemäß aufbewahrt auf Dachböden und Rumpelkammern von Kirchen fand und durch sein Engagement dem achtlosen Verfall entriß. Erste Heimat der Sammlung waren Räume in Thaulows Haus am Kleinen Kiel. ... weiter.
 
 

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