Das Museum für Vaterländische Altertümer in Kiel 1836 bis 1945

Geschichte eines alten Kieler Museums
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 „Das vergessene Museum der Landeshauptstadt“

von Hannelore Pieper-Wöhlk und Dr. Dieter Wöhlk

Am 10. Oktober 1936 feierte in Kiel ein Museum sein 100jähriges Bestehen: das Museum für vaterländische Alterthümer. Es war 1836 noch während der zeit des dänisch-schleswig-holsteinischen Gesamtstaates gegründet worden und hatte seit 1877 das ehemalige Gebäude der Christian-Albrechts-Universität in der Kattenstraße (Nebenstraße der Schloßstraße - Plan) bezogen. Das an sich sehr schlicht gehaltene Gebäude war 1768 vom durchaus berühmten Barockbaumeister
Ernst Georg Sonnin, geboren am 10. Juli 1713 in Perlebergs, gestorben  8. Juni 1794 in Hamburg, geschaffen worden (Abbildung). Das verhältnismäßig kleine Haus beherrbergte eine serh bedeutsame Sammlung. Sie ging - wie andere kulturelle Erungenschaften im vorpreußischen Kiel auch - auf dänische Anregung zurück. Eine 1807 in Kopenhagen (København) gegründete Kommission zur Bewahrung der Alterthümer bekam eine Kieler Tochtergesellschaft unter Vorsitz unter Leitung des aus der Zeit der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (dänisch: Treårskrigen) Politikers, Historikers und Jura-Porfessors Nikolaus Falck. Nachdem aus Kopenhagen Falcks Gesellschaft geschenkt worden waren etwa 300 Ausstellungsgegenstände geschenkt worden waren, konnten regelmäßig kleine Ausstellungen in Räumen eines Adelshofes in der Stadt (Flämische Straße 21) veranstaltet werden (Sonnabend 12 bis 13 Uhr). Der Krieg 1848 bis 1851 setzte der durchaus fruchtbaren Arbeit zwischen Kopenhagen udn Kiel ein jähes Ende. 1852 kam es zur Gründung eines vergleichbaren Museums in Flensburg. Sechs Jahre nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen wurden die Kieler und die Flensburger Sammlung in Form des Museums in der Kattenstraße vereinigt, welches 1877 dann seine Pforten öffnen konnte.

Berühmtestes Exponat war das sogenannte Nydamboot. Im August 1863, wenige Monate vor dem Ausbruch des Preußisch/Österreichisch-Dänischen Krieges um die Macht über die Herzogthümer Schleswig und Holstein, gelang dem dänischen Archäologen Conrad Engelhardt ein sensationeller Fund. Im Nydam-Moor, unweit von Sønderborg (heute Sønderjylands Amt/Nordschleswig) entdeckte er ein weitgehend erhaltenes rund 23 m langes und ca. 3,5 m breites Schiff. Dieses Schiff - nach heutiger Lesart ein Truppentransporter wurde um 320 seit beginn unserer Zeitrechnung erbaut. Engelhardt konnte das Schiff noch im selben Jahr für die schon angesprochene Sammlung in Flensburg rekonstruieren und konservieren. 1873 kam es mit anderen Exponaten nach Kiel. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Nydamboot nahc Möll ausgelagert zum Schutz gegen den Bombenkrieg.

Bemerkenswert: Johanna Mestorf (1828 - 1909) war als Archäologin erste Professorin und Museumsdirektorin Deutschlands. Sie ab 1891 Direktorin am Museum für vaterländische Altertümer in Kiel, ab 1899 Professorin.

1946 kam das Nydamboot im Zuge der Verlagerung der Kieler Sammlungen nach Schleswig (Museum vaterländischer Alterthümer und Thaulow-Museum). Hiermit endete die 110jährige Geschichte des Museums in der Kattenstraße, dessen gebäude - im Gegensatz zu denen der Thaulow-Sammlung - vollständig ein Opfer der Bomben gworden war.
 
 

Das innere des Museums in der Kattenstraße mit dem berühmten Nydam-Boot in der Mitte (1930er Jahre)

Der Ende vom Ende des traditionsreichen Museums: September 1941 Abtransport des
Nydambootes nach Mölln - auf Nimmerwiedersehen in Kiel.

[Aufnahmen des Museumsbaus]        [Ausstellungsstücke vor 1939]        [Ausstellungsstücke heute]


(C) Pieper-Wöhlk 2005