
Leuchttürme und Feuerschiffe
an der Kieler Förde: Feuerschiff Bülk und ...
von Hannelore Pieper-Wöhlk und Dr. Dieter Wöhlk
Bald nach der 1895
erfolgten Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal
oder Kiel-Canal) reichte der 1865 in Betrieb genommene Leuchtturm auf der
Bülker Huk nicht aus, um die Einfahrt in
die
Kieler Förde ausreichend zu sichern. Schon 1892 wurde daher ein Feuerschiff
am Eingang der Kieler Förde (damals Föhrde geschrieben!) ausgelegt,
das erste dieser Art vor Kiel. Die Geschichte dieser Feuerschiffe ist schwer
aus den Unterlagen rekonstruierbar, weil die Informationen - zumindest
soweit sie uns zur Verfügung stehen - lückenhaft und zum Teil
widersprüchlich sind, außerdem wurde in der Regel bei einem
Schiffswechsel der Name beibehalten oder das gleiche Schiff erhielt einen
neuen Namen, ohne daß sich eigentlich Entscheidendes geändert
hatte. Dann und wann änderten sich auch die Standorte, an denen man
sich dennoch am besten orientieren kann. Wir hoffen gerade daher ggf. um
aufbauende Kritik und ergänzende Informationen.
Das
erste Schiff vor Kiel war das FS "Stollergrund" (ex. "Adlergrund") ab 1892
auf Position 54°30’Nord, 10°17'Ost (siehe Foto). Dieses 1884 gebaute
Schiff wurde schon 1896 verschrottet und durch ein baugleiches Schiff ("Stollergrund
II") ersetzt. 1905 wurde diese Position aufgehoben und durch die Station
"Gabelsflach" (54°09´Nord 16°18´Ost) ersetzt.
Leider haben wir vom Feuerschiffes "Gabelsflach" nur eine Zeichnung. So
weit, so gut. Das Problem ist nur, daß es da noch das Feuerschiff
"Bülk" gibt, von dem mehrere Fotos
existieren,
drei in unserem Archiv. Bei den Feuerschiffen "Gabelsflach" und "Bülk"
handelt es sich wegen der Position und der Jahreszahlen vermutlich um dasselbe
FS, über das der Deutsche Seefischer Almanach von 1906 schreibt (Rechtschreibung
und Interpunktion enstpricht weitgehend dem Original!):
"Östlich von der Untiefe Kleverberg bei Bülk, 54°27’52"Br., 10°15’24"Lg., 1 Blinkfeuer mit Einzelblinken von je 2¼ Sek. Dauer, Wiederkehr 8 Sek. wahrscheinlich 8 Sm. Sichtweite. Zweimastiges Feuerschiff, welches an beiden Seiten den Namen "Bülk" in weißen Buchstaben trägt und auf S. im Topp des Laternen-Mastes einen schwarzen Ball führt. Bei Nebel oder unsichtigem Wetter werden mit einem Pieterschen Dampf-Nebel-Horn. Einzeltöne von je 3 Sekunden Dauer, Pause 17 Sek., Wiederkehr 20 Sek. abgegeben. Wenn das Dampf-Nebel-Horn nicht betriebsfähig ist: alle fünf Minuten Doppelschüsse mit einer Folge von 30 Sek. Außerdem werden mit einer Wiederkehr von 30 Sek. Signale mit der Schiffsglocke gegeben werden, die aus 10 in langsamer Folge geschlagenen Einzelschlägen bestehen. Schiffe mit gefährlichem Kurse werden durch Doppelschüsse, Läuten mit der Schiffsglocke u. internationales Flaggensignal gewarnt."
Die Technik war eben noch nicht so weit wie heute, nicht annähernd!
Gehen
wir also davon aus, daß die 1905 eingerichteten FS "Bülk" und
"Gabelsflach" identisch sind. Kein Mensch käme auch auf die Idee,
zwei verschiedene Feuerschiffe so nah beieinander auszulegen, wie die -
auch in einigen Quellen leicht abweichenden - Positionsangaben vermuten
lassen.
Entsprechend den
Positionsangaben des FS "Kiel", das ab 1922 in Listen geführt wird,
müssen wir davon ausgehen, daß exakt in diesem Jahr das FS "Bülk"
einfach in "Kiel" umgetauft wurde. Da FS "Gabelsflach" allerdings nach
einzelnen Quellen 1925 außer Dienst gestellt wurde, stellt sich die
Frage, welches Schiff ab 1925 auf der Position 54°30’N10°16’O lag.
Sicher ist nur, daß es mit der Angabe "Kiel" beiderseits an den Bordwänden
versehen gewesen sein muß, zwei Masten und einen gelben Feuerturm
hatte. 1941 wurde Feuerschiff "Kiel" durch ein U-Boot gerammt, sank, wurde
wieder gehoben und erneut auf Position gebracht. Dieses Schiff ging 1945
endgültig am 4. Mai durch Fliegerbomben verloren und wurde durch einen
anderen Veteranen ersetzt, der wieder FS "Kiel" hieß, aber schon
1905/06 in Bremen als Dreimastschoner gebaut worden war und vorher die
Namen "Reserve Sonderburg" bzw. Reserve Holtenau" getragen hatte:

wird fortgesetzt! Ein Bericht über den Leuchtturm Bülk folgt ebenfalls!