Kleine
Geschichte von Strande
Neue
Ferienwohnungen in Schilksee am Olympiahafen
von Hannelore Pieper-Wöhlk und Dr. Dieter Wöhlk
„Mit Wirkung vom
1. Dezember 1934 werden aus der Gemeinde Schilksee ... drei Einzelgemeinden
mit den Namen Schilksee, Dänischenhagen und Strande gebildet ... .“
Eine typisch obrigkeitsstaatliche Entscheidung der nationalsozialistischen
Regierung in Preußen hatte die Gemeinde Schilksee in drei kleinere
Verwaltungsbezirke zerlegt, von denen einer eine Neuschöpfung war
und noch heute als selbständige Gemeinde existiert: Strande. Damit
könnte Strande im Jahr 2004 als Gemeinde sein 70jähriges Bestehen
feiern. Doch war es schon längere Zeit üblich, den Bereich zwischen
Schilksee und Bülker Huk als Strande zu bezeichnen, wenngleich eine
präzise Datierung der Erstnennung kaum möglich ist. Schon zu
Beginn unseres Jahrhunderts warben Ansichtskarten z.B. für ein „Gasthaus
Strande bei Schilksee“. Das Wort Strande stammt auf jeden Fall aus dem
16. Jahrhundert und ist zweifellos skandinavischen Ursprungs wie eine Reihe
weiterer Orts- und Gemarkungsnamen in der Stadt Kiel und ihrer nördlichen
Umgebung. Hiervon ausgehend könnte Strande als Ortsname in weitesten
Sinne also maximal 500 Jahre alt sein. Noch älter sind die Informationen
über einen speziellen Teil der heutigen Gemeinde Strande, nämlich
über Bülk. Südlich des heutigen Bülker Leuchtturmes
befand sich seit dem 14. Jahrhundert eine kleine Burg, deren kreisförmige
Anlage noch heute neben der Straße, die zum Leuchtturm führt,
zu erkennen ist. Um dieses, wiederholt umgebaute, befestigte Gebäude
ranken sich alte Sagen von Fememorden und Seeräubern, selbst Störtebeker
und seine Mannen sollen hier einmal gehaust haben. „Alles Spinnerei!“ sagen
die Historiker! Belegt ist jedenfalls - vor allem über die Seeräuberei
- nichts derartig Blutrünstiges. Doch auch ohne Piraten und Freibeuter
war die Geschichte Bülks und seines schon im 14. Jahrhundert genannten
Gutes reich an Vorkommnissen wie spektakulären Besitzwechseln und
Teilungsverträgen. Immerhin hat eine Seeschlacht zwischen dänischen
und schwedischen Kriegsschiffen (1715 anläßlich des Nordischen
Krieges) in der Strander Bucht stattgefunden. Kanonenfunde, die aus dieser
Zeit stammen, wurden vor wenigen Jahren aus dem Wasser gezogen, weitere
Kanonen und die dazugehörigen Kugeln liegen noch auf dem Meeresgrund
aus Ausgang der Außenförde. Die letzten Steine der alten Burganlage
Bülk (auch Bülck oder Bülleke), die im 17. Jahrhundert
geschleift werden mußte und dann mehr und mehr zerfiel, sind längst
in den Höfen der Umgebung verbaut. Seit der Anfangszeit des Schleswig-Holsteinischen
Kanals ersetzte der Leuchtturm am Bülker Huk
die alte Burg als markanten Punkt dort, wo das Westufers der Kieler Förde
mit seinem nördlichsten Teil immer weniger den Charakter einer typischen
Steilküste hat. Obwohl Strande auch ein Gebiet mit langer landwirtschaftlicher
Tradition ist und weit ins Land hinein reicht, rückt seit der Mitte
des 19. Jahrhunderts der Küstenstreifen, mit dem viele den Namen Strande
vor allem verbinden, immer stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Eine erste Dampferbrücke soll es alten Berichten zufolge schon
1869 gegeben haben. Als 1870 sich französische Kriegsschiffe dem Kieler
Hafen näherten, wurde die Brücke schnell wieder zerstört!
Zu Anfang unseres Jahrhunderts entstanden dann die ersten Einrichtungen
des Gaststätten- und Hotelgewerbes nahe des nunmehr als Badebereich
entdeckten Strandes, auf dem bis dahin nur einzelne kleine Fischerboote
("Wadenboote") mit Segeln lagen, wenn sie nicht zum Auslegen der Netze
benötigt wurden. Noch vor dem 1. Weltkrieg lockte eine neue Dampferbrücke
wieder Ausflügler aus der immer größer werdenden Stadt
an, während gleich „um die Ecke“ 1907 das sogenannte Bülker System,
die Abwasserleitung von Kiel und Umgebung, installiert wurde. Bis zu den
Olympischen Segelwettbewerben, an denen auch Strande seinen Anteil hatte,
blieb es beim Einleiten der mehr oder weniger nur sehr grob geklärten
Abwässer von rund 300 000 Menschen, was (nicht nur) den Strandern
unheimlich „stank“, sondern auch daran Schuld war, daß man sich erst
seit 1984 Ostseebad nennen durfte! Zurück zur Fischerei: schon 5 Jahre
nach der Gründung Strandes bescherten die Nazis mit ihren Kriegsplänen
der jungen Gemeinde zwei weitere Geschenke: in Schilksee wurden zugunsten
der Kriegsmarine die Fischer mit ihren zum Teil hochmodernen neugebauten
Kuttern (Typ „Kriegsfischkutter“ - KFK) vertrieben und fanden eine neue
Heimat im kleinen Hafen des nördlichen Nachbarn, und - 2 Jahre später
- zog die Scharstein-Werft aus einem ähnlichen Grund wie die Schilkseer
Fischer nach Strande: die Werft störte die Marine beim Ausbau der
Schwentine-Mündung. Der 2. Weltkrieg brachte auch für Strande
erhebliche belastende Umwälzungen: die Einwohnerzahl (1939: 471, 1950:
1360, heute: 1700 Einwohner) explodierte zwar nicht ganz so wie z.B.
in Altenholz und Schilksee, doch Neubaugebiete veränderten das Erscheinungsbild
Strandes tiefgreifend. Und dies geschah nicht nur wegen der vielen, hier
angelandeten Flüchtlinge aus dem Osten, sondern auch wegen der attraktiven
Wohnlage am Rande der Landeshauptstadt. In Strabnde gilt dies vor
allem für die, die es sich leisten konnten. Eigenheimbau, insbesondere
Bau aufwendiger Häuser, rangierte in Strande alsolut vor Mietwohnungsbau!
Auch sonst hat es in den letzten Jahrzehnten erhebliche Änderungen
gegeben: Auf dem ehemaligen Werftgelände befindet sich heute u.a.
ein Segelheim des KYC neben der Konkurrenz vom heimischen Strander Yacht
Club, und die Fischer mit ihren wieder recht kleinen, aber leistungsfähigen
Booten fallen neben den vielen großen und wenigen kleinen Sportseglern
im großzügig ausgebauten Strander Hafen immer weniger auf. An
der Promenade - parallel zum kurtaxpflichtigen Badestrand - reiht sich
Restaurant an Restaurant, vom Fischbrötchen zum Mehrsterne-Menue wird
alles geboten, was der Kunde wünscht.
(C) Pieper-Wöhlk 12/2002