Schilksee-Archiv Pieper-Wöhlk präsentiert:

 
 
 

Die Schlacht bei Idstedt: 24./25. Juli 1850



 

von Hannelore Pieper-Wöhlk und Dr. Dieter Wöhlk

Wer von Kiel über Schleswig nach Flensburg fährt und nicht der Autobahn folgt, sondern die alte B 76 , einen jahrhundertealten Heer- und Ochsenweg, nimmt, sich vielleicht in eine der zahlreichen Nebenstraßen verirrt, möglicherweise, um eine kleine Wanderung einzulegen, der findet teils direkt an der Straße, teils etwas weiter abseits allgemeiner Wege oder regelrecht versteckt auffallend viele altertümliche Grab- und Gedenksteine, zahlreiche  in deutscher Sprache, andere in dänischer Mundart abgefaßt. Man liest Inschriften wie diese: „HIER RUHT EIN SCHLESWIG-HOLST. KRIEGER VOM 8. INF. BTL. GEF. 25.7.1850“ oder  „Secondelieutenant Christian Peter Harald v. Brorson af 3die Linie Infanterie Bataillon som faldt for Fædrelandet d. 25de Juli 1850“. Was war an diesem Julitag vor 150 Jahren? Bis kurz vor diesem Tag noch hatte seinerzeit Preußen den Kampf Schleswig-Holsteins um seine staatliche Unabhängigkeit, Einheit und Demokratie  vor allem  militärisch unterstützt. Doch am Anfang des Monats schloß der neben Österreich größte Staat des Deutschen Bundes mit Schleswig-Holsteins Kriegsgegner Dänemark einen Friedensvertrag und stellte sich gegen die Regierung der beiden Herzogtümer, von denen das eine - Schleswig - allerdings  dem Deutschen Bund nicht angehörte, es war seit Urzeiten dänisches Lehen. Die Folge der preußischen Haltung war, daß Schleswig-Holstein weitgehend ohne Hilfe aus dem Ausland war, allerdings auf eine stattliche und leistungsfähige Armee von rund 32000 Mann (rund 27000 davon nahmen mit 84 Geschützen und hunderten von Pferden an der Schlacht bei Idstedt teil!) unter dem Befehl des Generals von Willisen, der vormals für Preußen Dienst getan hatte, zurückgreifen konnte. Bei dem seit 1848 währenden Krieg zwischen Schleswig-Holstein und dem Königreich Dänemark, eigentlich im dänischen Gesamtstaat als Doppelmonarchie vereinigt, ging es um die Macht in Schleswig. Die Dänen wollten Schleswig dem Königreich Dänemark einverleiben, nach dem Willen der Mehrheit der Schleswig-Holsteiner sollte - unter einem gemeinsamen Monarchen - Schleswig-Holstein ein demokratisch strukturiertes Doppelherzogtum sein, weitgehend vom Königreich Dänemark unabhängig. 
Vergessen wird meist hierbei, daß dazu noch das kleine Herzogtum Lauenburg gerechnet werden muß, es sich eigentlich um ein Dreifachherzogtum handelte. Wie kam es zu dieser Schlacht, bei der die dänische Armee 36000 Man  mit 96 Geschützen aufbot? Und was ist das für ein Ort, Idstedt/Isted, vielen kaum bekannt wenige Kilometer nördlich von Schleswig gelegen? In der Wikingerzeit war Idstedt  ein wichtiger Thingplatz (Verwaltungsmittelpunkt) des  „Istahesysstel“, in dem die südjütischen Harden (alte Verwaltungsbezirke bis zum Beginn der preußischen Besetzung) nördlich des Dannewerks zusammengefaßt waren. Später war Idstedt einfaches Bauerndorf, es liegt heute im Kreis Schleswig-Flensburg. Seit 1930 gibt es in Idstedt eine Gedenkstätte über die Kriege um Schleswig-Holstein, die Hintergründe und Vor- und Nachgeschichte dazu, illustriert durch zahlreiche Uniformstücke, Waffen, Karten und Fotos. Wer sich allerdings umfangreicher über diese Zeit informieren und auch die damalige Gegenseite zu Wort (und Bild) kommen lassen will, dem seien das Museum am Dannewerk (Danevirke) und natürlich ein intensives Studium der neueren Literatur zur Geschichte unseres Landes empfohlen.

Am 24. Juli 1850 hatte die Schleswig-Holsteinische Armee eine Verteidigungsstellung zwischen Arenholzer und Langsee bei Idstedt eingenommen, um ein Vorrücken der Dänen Richtung Dannewerk zu verhindern. Entgegen der dänischen Absicht, die Sache langsam anzugehen, kam es schon am 24. zu einzelnen Gefechten, der große Schlagabtausch sollte allerdings bis zu den frühen Morgenstunden auf sich warten lassen. Zunächst griffen die dänischen Truppen, kurz darauf auch die Schleswig-Holsteiner an. Die heftigen Kämpfe unmittelbar bei Idstedt brachten dabei die Dänen in Vorteil, Gefechte im weiter östlich gelegenen Stolk die Schleswig-Holsteinische Armee. In dem ca. 18 km breiten Schlachtfeld herrschten Neben und Regen, verschärfte der Qualm des Schießens der knapp 200 Geschütze und zahllosen Gewehre das Sichtproblem der militärischen Führung, schuf für die Nachrichtenübermittlung ernsthafte Probleme. Insbesondere die dänische Seite begann noch in den Morgenstunden des 25. Juli, die Übersicht zu verlieren .

Am Morgen des 25. Juli 1850 hätte die Schlacht einen anderen Verlauf nehmen können. Doch die Irritationen der dänischen Truppen an einigen Orten des Geschehens konnten von den Schleswig-Holsteinern wegen noch schlechterer Übersicht nicht genutzt werden. Sicher steckte die Nachrichtenübermittlung noch in einem geradezu mittelalterlichen Stadium, dennoch muß man hier eindeutige Schwäche auf der Seite der blau-weiß-roten Truppen feststellen. Während sich im Norden des Schlachtfeldes die Situation der dänischen Truppen dank ausgezeichneter Führung stabilisierte, schätzte der Schleswig-Holsteinische Oberbefehlshaber den Gang der Dinge völlig falsch ein. Willisen war preußischer Truppenführer gewesen, in Ungnade gefallen und wollte sich als General in Diensten der Schleswig-Holsteiner rehabilitieren und sich durch einen erfolgreichen Feldzug gegen Dänemark für neue Aufgaben in Preußen empfehlen. Doch bei Idstedt zeigte sich, warum die Karriere dieses Mannes von wenig Fortüne gekennzeichnet war. Willisen beurteile den Fortgang der Schlacht als wesentlich ungünstiger für seine Armee, als es tatsächlich der Fall war. Ob die Schleswig-Holsteiner tatsächlich hätten die Schlacht siegreich beenden können, wie mancher Historiker meint, ist heute müßig zu spekulieren.. Auf jeden Fall blies Willisen ohne jede echte Not zum allgemeinen Rückzug. Im Gegensatz zu ihren Widersachern wußten die Dänen die Schwäche der Schleswig-Holsteiner zu nutzen, so daß deren Rückzug teilweise in panikartige Flucht ausgeartet sein soll. Folge der Schlacht bei Idstedt war die Wiederergreifung der Macht im Herzogtum Schleswig durch den dänischen König, der Preis dafür allerdings  hoch. Man hatte die Gefechte zum Teil mit unerbitterlicher Härte geführt, was zu  für die damalige Zeit enormen Verlusten führte. Noch heute finden Bauern immer wieder Ausrüstungsgegenstände und Knochen derer, die sich hier gegenüberstanden. Dabei war es nicht selten Zufall, wer als einfacher Soldat auf welcher Seite stand. Während sich die Offiziere fast ausnahmslos hatten entscheiden können, auf welcher Seite sie kämpfen wollten, kam es durchaus vor, daß auf der einen Seite der Vater, auf der anderen Seite der Sohn stand, war der Bruder eines dänischen Soldaten möglicherweise in der Uniform der Herzogtümer unterwegs. 9,65 % betrugen die Verluste auf dänischer Seite, 10,48 % auf Seiten Schleswig-Holsteins. Geändert hatte die Schlacht im Grunde jedoch  nichts. Der Krieg ging zunächst weiter, die Großmächte wie auch die meisten deutschen Staaten stellten sich gegen Schleswig-Holstein und für den Status quo in Europa. Die Probleme in Schleswig waren damit allerdings auch nicht gelöst. Die dänische Führung versuchte weiter, Schleswig dem Königreich einzuverleiben, die komplizierte Gesamtstaatskonstruktion damit entscheidend zu verändern und die Herzogtümer Holstein und Lauenburg von Schleswig zu trennen.


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Fotos:   (Dieter Wöhlk bzw. Sammlung Pieper-Wöhlk)

1.Soldaten der Schleswig-Holsteinischen Armee (Ansichtskarte um 1900)
2. Treffen von Veteranen der Schleswig-Holsteinischen Erhebung in Kiel (Foto vermutlich um 1923)
3.Grenze an der Königsau/Kongeå zwischen Schleswig-Holstein (seinerzeit  preußische Provinz) und dem Königreich Dänemark, Postkarte Anfang des 20. Jahrhunderts, ca. 50 Jahre nach der Schlacht bei Idstedt.
4. Gedenkstein in Idstedt
5. Idstedt Gedächtnishalle
 

Empfehlenswerte Literatur:

Christian Degn: Schleswig-Holsteinische Landesgeschichte, Neumünster 1994
Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins, Neumünster 1996
Gudrun Loewe (Hrsg.): Auf dem Schlachtfeld von Idstedt, Schleswig 1978
Johs. Nielsen: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848 - 1850, København 1981

Empfehlenswert sind auch Besuche folgender  Museen: Idstedt Gedächtnishalle,  Tøjhusmueet  København sowie Danevirkegaarden in Dannewerk bei Schleswig. Dort gibt es auch empfehlenswertes ausführliches Klein-Schrifttum zu details der Kriege und Auseinandersetzungen um das Herzogtum Schleswig
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



(c) Pieper-Wöhlk 2/2002    Update 12/2002