Pries im Laufe der Jahrhunderte
Der Name Pries taucht erst
nach 1500 auf und dürfte von den deutlich älteren slawischen
Formen Pryvisse und Pryße abgeleitet sein. Die besondere Anlage
des Dorfkernes als wendischer Rundling, noch heute gut erkennbar,
deutet allerdings auf eine Entstehung noch vor dem Jahr 1000 hin. Vom alten
Dorfkern aus - heute als Dorf Pries bekannt – gingen jahrhundertlang die
Flurstücke sternförmig nach fast allen Himmelsrichtungen. Nachdem
im Jahre 1575 das adelige Gut Seekamp entstand, wurden die Prieser Bauern
als Leibeigene Untertanen des neuen Gutes. Diese Leibeigenschaft dauerte
bis 1791, als die Ländereien des Gutes parzelliert und die Bauern
frei wurden. Bis zur preußischen Annexion (1867) des Herzogtums Schleswig
gehörte Pries weiterhin zum fortbestehenden Gutsbezirk Seekamp. 1876
wurde es im Rahmen der preußischen Landgemeindeordnung Gemeinde des
9 Jahre zuvor gegründeten Kreises Eckernförde.
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In den folgenden Jahrzehnten bis zum Ende des 1. Weltkrieges verzehnfachte sich die Einwohnerzahl von Pries auf über 3000. In dieser Zeit entstand die bis heute erhaltene etwas seltsame Struktur der Gemeinde und des späteren Stadtteils: in der Mitte das Dorfzentrum, um dieses Zentrum herum ein etwa halbkreisförmiger Bereich von landwirtschaftlicher Nutzfläche und ganz außen ein kleinstädtisch dicht bebauter Bereich. Dieser junge Prieser Wohn- und Gewerbebereich legt sich landseitig als langgestreckter Streifen um das Gelände der alten Friedrichsorter Festung: er beginnt südlich vom Schilkseer Industrie-Areal am Koppelberg, reicht nach Süden hin bis zum Ende der Friedrichsorter Straße, verläuft dann entlang der Fritz-Reuter-Straße bis zu den Bahnschienen am Schusterkrug und (seit 1994!) bis zur Grenze nach Altenholz. Die Trennung von Dorfkern und Wohn- und Gewerbegebiet verdanken wir den Prieser Bauern. Sie hatten - verständlicherweise - die entfernter liegenden Flurstücke als Bauland verkauft und die direkt am Dorfkern liegenden Felder und Wiesen weiterhin der Landwirtschaft vorbehalten.
Schon vor dem 1. Weltkrieg war Pries immer stärker in den Einfluß der wachsenden Großstadt südlich des Kanals gekommen, ab 1865 schon hatte der Postdienst zu Lande von Kiel aus Pries erreicht (vorher ging es seit 1772 per Boot zur Festung Friedrichsort!). Immer attraktiver wurden Kieler Arbeitsplätze für die Prieser und natürlich lockte Kiel als Einkaufsstadt. So war es nur logisch, daß gemeinsam mit Holtenau und der Festung Friedrichsort auch Pries 1922 Kieler Stadtteil wurde. Die 20er Jahre in Pries sind u.a. gekennzeichnet durch den Wegfall des Arbeitgebers „Kaiserliche Marine“ mit Festungs- und Kasernenbereich, insbesondere der Torpedowerkstatt, in der viele Prieser Arbeit gefunden hatten, sowie durch umfangreichen Eigenheimbau im Bereich Fritz-Reuter-Straße/Brinkmannstraße. Insgesamt verlor Pries weiter Anteile an landwirtschaftlicher Nutzfläche zugunbsten der Wohn- und Gewerbefläche. Nach dem nächsten verlorenen Krieg erfuhr der Stadtteil neue Veränderungen durch die Einrichtung mehrerer Flüchtlingslager, die die Leitungsfähigkeit des Kieler Nordens erheblich belasteten. Um die Probleme zu lösen setzte - in den 50er und 60er Jahren - erneut eine umfangreiche Bautätigkeit im Sektor Eigenheime und Wohnungen ein, die sich vor allem auf den Bereich Stromeyerallee und Buschblick erstreckte und die Gesamtstruktur des Stadtteils Pries erheblich veränderte.
Seit Ende 1994 sind Pries,
Friedrichsort und Teile von Holtenau (Schusterkrug) - von vielen unbemerkt
- zu einem neuen Stadtteil mit dem Namen Pries/Friedrichsort zusammengelegt
worden. 1997 tauschte dann die Stadt Kiel einen Teil der 3 Jahre
zuvor von Holtenau an Pries/Friedrichsort gegangenen Gebiete westlich der
B 503 gegen Altenholzer Gebiete östlich dieser Straße ein, so
daß sich im Bereich des ehemaligen Forts Herwarth (heute: Dreilinden)
Pries(/Friedrichsort) noch einmal vergrößern konnte.