Alte Befestigungsanlagen an der Kieler Förde
Zu Recht wird - wie in jüngster Zeit wieder - beklagt, daß dem, sowohl was Bedeutung und Platzbedarf betrifft, größten Kulturdenkmal der Landeshauptstadt, der Festung Friedrichsort, nur wenig Beachtung geschenkt wird. Man hat fast das Gefühl, daß es in Kiel zum guten Ton gehört, noch nie auf dem Rathausturm gewesen zu sein, nicht von der Existenz einer aufwendigen Stadtmauer zu wissen und nie von der Festung Friedrichsort gehört zu haben. Dies Feststellung mag übertrieben sein, doch hat sie ihren Hintergrund. Weitgehend unbekannt ist auch die Geschichte der weiteren Festungsanlagen rund um die Förde. Die einzige noch halbwegs erhaltene an der engsten Stelle der Kieler Förde gelegene deutsche Seefestung, die zunächst rund 200 Jahre dänisch war - mit kurzer Unterbrechung als Festung der schleswig-holsteinischen Armee - wurde schon Jahre vor der preußischen Annexion 1867 vom Militär Wilhelms des Ersten besetzt. Die Preußen zerstörten danach nicht nur die altehrwürdigen dänisch/schleswig-holsteinischen Gebäude, sondern rüsteten mächtig auf. Und dies betraf nicht nur die Festung selbst, sondern vor allem die Umgebung auf beiden Fördeufern. Schon 1888 hatte das inzwischen kaiserliche Militär umfangreiche Anlagen von Holtenau bis Schilksee auf dem Westufer und von Möltenort bis Laboe auf dem Ostufer errichtet. Die Orte der Anlagen findet man zum Teil weit im Landesinnern, um nicht nur gegen Angriffe von See her gewappnet zu sein. Das Fort (Fort = kleine Festung) Herwarth westlich Dorf Pries sowie Fort Röpsdorf südlich Brodersdorf waren die bedeutendsten Anlagen abseits der Küste.
Aufgabe der Befestigungsanlagen war es, den noch jungen Reichskriegshafen
mit der in Entwicklung befindlichen Flotte, die dem Reich Weltgeltung schaffen
sollte, im Kriegsfall zu schützen. Man fragt sich natürlich,
gegen welche Gegner es wohl gehen sollte, wer die sich auf dem Ostufer
immer weiter ausdehnende Kaiserliche Werft, den entstehenden Kaiser-Wilhelm-Kanal
usw. wohl bedrohen, d.h. angreifen könnte. Die wichtigsten Anlagen
auf dem Westufer neben der Festung Friedrichsort zur Verteidigung gegen
Angreifer von See waren das Fort Falckenstein auf einem künstlich
erhöhten Hügel (heute ein Jugendlager), eine Sperrbatterie (plus
später errichtete Feuerleitanlagen) neben dem Schilkseer Parzellenhof
Kahlenberg sowie gegen einen Feind von Land die Forts Holtenau (hier
befindet sich heute der Flughaufen) und Herwarth (heute liegt hier eine
Feuerwerkskörperfabrik). Ergänzt wurden diese Befestigungen durch
die Munitionsanstalt in Friedrichsort (heute: Straße „An der Schanze“).
Hinzu kamen kleinere Verteidigungseinrichtungen im Süden und Nordwesten
Schilksees. Das Ostufer war ungleich stärker gespickt mit allerlei
Wehrhaftem unterschiedlicher Art. Im Zentrum stand das Fort Korügen
(heute im Besitz der Bundeswehr),flankiert durch zwei Batterien mit Geschützen
für Seeziele (Möltenort, wo heute das U-Boot-Ehrenmal steht,
im Süden und Jägersberg im Norden). Laboe bekam später (1900)
einen Panzerturm mit 2 28cm-Schiffsgeschützen, der Turm wurde
nach dem 1. Weltkrieg gesprengt und gab Platz für das bekannte Marine-Ehrenmal.
Zu den genannten Befestigungsanlagen auf dem Ostufer kam noch eine Fülle
kleinere Bauwerke und Anlagen, die im einzelnen hier nicht genannt werden
können. Das gleiche gilt für die Pläne von Schwimm- und
Minensperren zum Schutze des Hafens. Zwar wurde - z.B. in Schilksee bei
Kahlenberg - auch nach 1900 weiter an den Befestigungen gearbeitet, doch
verschob sich bis zum 1. Weltkrieg der Schwerpunkt in Richtung auf offensive
Küstenverteidigung durch erheblich forcierten Flottenbau. Im Krieg
hatte dann allerdings die nur halbherzig eingesetzte Flotte mit dem Ergebnis
der Kämpfe letztlich nichts zu tun. Auf jeden Fall transportierten
Schiffe eben dieser Flotte Matrosen nach Kiel, die hier mit Arbeitern zusammen
eine Revolution entfachten, die Deutschland immerhin für 12 Jahre
Demokratie bescheren sollte. So sang- und klanglos wie das Kaiserreich
verschwand auch nahezu alles an Küstenverteidigung der Kieler Förde,
abgesehen von Friedrichsort und den Ehrenmalen Laboe und Möltenort.
Ihrem eigentlichen Zweck hatte glücklicherweise keine der Anlagen
dienen müssen.