Festung Friedrichsort
Geschichte der Festung in Stichworten:
| 1631 bis 1637 | Bau der Vorgänge-Festung Christianspries durch König Christian IV (Baumeister: Axel Urop) |
| 1643 | Eroberung der Festung durch schwedische Truppen,
2 Jahre später Rückgabe, anschließend Zerfall der Anlagen |
| 1663 bis 1667 | Neubau der Festung an fast derselben Stelle durch König Friedrich III (Baumeister Henrik Ruse, Holland, in dänischen Diensten): Name der neuen Festung Friedrichsort |
| 1813 | Erneute Eroberung der Festung durch schwedische Truppen, Besetzung für 1 Jahr |
| 1848 bis 1851 | Schleswig-Holsteinische Erhebung gegen Dänemark: 1. Krieg um Schleswig-Holstein, Besetzung der Fetsung durch die Schleswig-Holsteinische Armee |
| 1864, 1866/67 | 2. Krieg um Schleswig-Holstein: Preußen und Österreich besiegen
Dänemark, Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen, Friedrichsort
wird preußische Seefestung, Neubau und umfangreiche Ergänzung
der Anlagen zur Sicherung der Kieler Förde: Fördeverteidigung
Besatzung der Festung ca. 1000 Mann (plus Zivilpersonal) |
| 1869 bis 1876 | Bau neuer Kasematten mit Erdaufwürfen als Schutz |
| nach 1918 | Gemäß Versailler Vertrag: Zerstörung der Nordwälle, Zuschüttend es Nordgraben mit dem Boden der Nordwälle und der Kasematten-Bedeckungen, Schleifen eines Teils der Forts (z.B. Falckenstein) |
| 1935 | erneute militärische Nutzung |
| 1939 bis 1945 | Zerstörung des größten Teil der historischen Gebäude vor 1866 |
| nach 1945 | Nutzung der Kasematten als Flüchtlingsunterkünfte |
| 1948 | Kiel Radio (Empfangsstelle (?) bis ... |
| 1957 bis 1994 | erneute militärische Nutzung als Signalstelle und Salutbatterie |
| 1966 | Eintragung der Festung als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung ins Denkmalbuch |
| 1972 | Verfüllung des Westgrabens durch die MaK |
Das Jahr 1994 bringt die entscheidende Wende zur heutigen Situation: das Jahr markiert das zumindest teilweises Ende der miltärischen Nutzung durch die Marine, es beginnen die Vorbereitungen der Öffnung von Teilen der Festung für die Öffentlichkeit.
Auch wenn die Gebäude aus der Schleswig-Holstein-Dänischen Zeit im 2. Weltkrieg und danach (in den 50er Jahren!) zerstört wurden, so ist die Festung Friedrichsort eione Rarität. Sie ist in der Grundform aus dem Jahr 1663 im wesentlichen erhalten, Kasematten aus der wilhelminischen Epoche noch fast vollständig vorhanden. Friedrichsort ist damit die einzige noch halbwegs erhaltene deutsche Seefestung. Erhalten sind außer den eigentlichen Festungsanlagen eine Reihe denkmalgeschützter bzw. schützenswerter Gebäude aus der preußischen Zeit, welche zum Teil in Holz ausgeführt sind (z.B. garnisonkirche von 1875). In den letzten jahren ist denkmalpflegerisch einiges getan worden, nachdem viele Jahre mit wenig Fingerspitzengefühl das Erbe der Kaiserzeit behandelt wurde. Ein ausgeprochenes Negativbeispiel allerdings ist im Jahre ... der von der ev. Kirche veranlaßte Abriß der historischen Kapelle des Friedrichsorter Friedhofes. Sie stammte aus dem Jahre 1890 (?) und war stark reparaturbedürftig, allerdings auch ein einmaliges Zeugnis aus damaliger Zeit.
Vom Wasser bzw. Strand aus, insbesondere von den vorgelagerten Deichanlagen sind an der Süd- und Ostseite die Festungsgräben zu sehen und dahinter die mit Buschwerk bestandenen Wallanlagen, die für eine Präsentation des Denkmals wieder vom Bewuchs befreit werden müssen und neuen Rasen bekommen müssen.
Die Festungen Christianspries und Friedrichsort haben sich nie in einer kirgerischen Auseinandersetzung bewähren können. Die zweimalige Besetzung durch schwedische Truppen und die Besetzung durch Freiwillige der Schleswig-Holsteinischen Armee 1848 erfolgten bei unbedeutender Gegenwehr und zur Zeit der preußischen Annexion war die Festung auf das Niweau einer Seebatterie gesunken.
Bis zum ersten Weltkrieg wurde sie dann mit ihren zahlreichen Forts (Falckenstein, Herwarth, Jägersberg u.a.), Panzertürmen (Laboe) und anderen Batterien rund um die Kieler Förde an der Friedrichsorter Enge so ausgebaut, daß möglicherweise allein ihre Stärke und Kampkraft eine kriegerische Auseinandersetzung von vornherein verhindert hat. So hat sie sich höchstens indirekt bewähren können. Mit dem 1. Weltkrieg war die Zeit der Festungen ohnehin zuende, dies zeigte der Beginn des 2. Weltkrieges deutlich.
Für viele Flüchtlinge, die zu hundertausenden bei Kriegsende im Raum Kiel vom Osten aus ankamen, stellte die alte Festung mit ihren Kasematten für lange Jahre eine halbwegs brauchbare Unterkunft dar.