Geschichte der Brunswik
Nur wenige Kieler kennen vom ehemaligen nördlichen Nachbarn
der Stadt mehr als den Namen der Brunswiker Straße. Der Flecken Brunswik
ist vermutlich älter als die Stadt Kiel selbst, wenn auch der
Name Brunswik - in verschiedensten Schreibweisen - erst nach 1350 auftaucht.
Die Grenzen der Brunswik waren im Süden der Kleine Kiel, im Osten
der Kieler Hafen und im Westen der heutige Schreventeich sowie der Westring.
Im Norden reichte die Brunswik bis in die heutige Wik hinein und umfaßte
daher in etwa den heutigen Stadtteil Nr. 7 (Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook)
ohne die Gehölze an der Förde.
Das Kieler Schloß lag bemerkenswerterweise nicht
auf (Alt-)Kieler Gebiet, sondern gehörte zur Brunswik.
Wie bei anderen Orten auch berichtet die Brunswiker Geschichte einiges
über Epidemien, Brandkatastrophen und Kriege. Die Brände führten
1638 zur Gründung der Brunswiker Brand- und Schützengilde (sie
existiert heute noch!). Die Brunswiker Bauern waren tradititonell freie
Menschen, wenn auch abhängig vom Landesherrn. Bis zu 8 Vollhufner
widmeten sich vorwiegend dem Ackerbau. Weidewirtschaft lief eher nebenbei
für den eigenen Bedarf der Familien.
Das Zusammenleben Kiels mit dem recht großen Nachbarn im Norden
gestaltete sich verständlicherweise nicht immer einfach, Probleme
reichten von Handwerkerrechten bis hin zu Streitereien um die seit Jahrhunderten
verbrieften Rechte Kiels am
gesamten
Hafengebiet. Im letzten Jahrhundert entwickelte sich die Brunswik vom landwirtschaftlich
geprägten Ort zur Nachbargemeinde mit Stadtcharakter. Mitte des 19.
Jahrhunderts entstanden die ersten Klinikneubauten, 1876 war das neue Hauptgebäude
der Kieler Universität in der Brunswik errichtet.
Nach mehrjährigen Verhandlungen wurde die Brunswik am 16.4.1869,
unmittelbar nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen,
als erste Umlandgemeinde Kiels eingemeindet. Damit begann eine totale
Umgestaltung der Brunswik: der Neubenennung von Brunswiker Straßen
folgte für das neue Stadtgebiet ein umfangreicher großstädticher
Ausbau, der mit Beginn des 1. Weltkrieges nach Norden hin bis zum Bereich
Düppelstraße weitgehend abgeschlossen war.
Dabei wurde allerdings das mehr als sechs Jahrhunderte alte Dorf Brunswik
in wenigen Jahrzehnten fast vollständig zerstört. Nur unbedeutende
Reste alter Gebäude, die alle Opfer des 2. Weltkrieges wurden, zeugten
noch eine Zeit von dem, was war. Heute erinnern nur noch wenige alte Fotos,
einige schriftliche Überlieferungen, ein Straßenname, ein Teil
eines Stadtteilnamens und nicht zuletzt der KTB, der Kieler Turnerbund
Brunswik, und die alte Gilde daran, daß noch vor 130 Jahren der Landbesitz
der Stadt Kiel im Norden vom Kleinen Kiel begrenzt wurde und das Gebiet
rechts und links der heutigen Holtenauer Straße ein eigenständiger
Ort war.
Lit.: Max Leisner: Der Flecken Brunswik Mitteilungen der
Gesellschaft Kieler Stadtgeschichte
Band 58 (1968 - 1972)